Kalaimani war blind. Sie wurde so geboren. Mitten in einem Slum. Die Nachbarn kannten alle den Grund für diese Tragödie: Das Mädchens hat in seinem früheren Leben ein großes Unrecht begangen. Sonst wäre das nicht geschehen.
Nicht dass noch jemand denkt, die von uns geförderten Mädchen bleiben irgendwann auf der Strecke. Heiraten; Kinderkriegen, sich vom Mann unterbuttern lassen. Das war‘s. Mitnichten!
Eines unserer Kinder mit besonderen Herausforderungen hat, wie alle anderen Kinder dieser Welt, einen Namen. Den kennt aber so gut wie niemand. Sweetheart ist nämlich ein Sweetheart...
Hier die Geschichte meines großen Scheiterns: Immer wieder schreibe ich, dass das Prana-Projekt an einen Slum grenzt. Ein Slum mit begabten Kindern, wie sich mehr und mehr herausstellt. Die Siedlung erstreckt sich vor der Prana-Schule. Heute will ich von dem Gelände neben der Prana-Schule berichten.
Die Prana-Montessori Vorschule hat einen großen Nachteil. Sie ist nur für kleine Kinder. Aber das macht nichts. Immer wieder kommen größere Kinder aus dem Dorf in den Unterricht, um einfach auch da zu sein und mit den Kleinen zu üben.
Im Prana-Projekt sollen die Kinder lernen, dass Religion und Kaste kein Hindernis sein dürfen für ein friedvolles Miteinander. Unser großes Ziel war, und ist es immer noch, dieses Anliegen von Mahatma Gandhi zu verwirklichen. Und sei es nur in einem winzigen Rahmen. Und, dass die Mädchen sich nicht vorschreiben lassen dürfen, wen sie zu heiraten haben.