Augenlicht für Kalaimani
Veröffentlicht von Hilde Link · Donnerstag 09 Okt 2025
Kalaimani
war blind. Sie wurde so geboren. Mitten in einem Slum. Die Nachbarn kannten
alle den Grund für diese Tragödie: Das Mädchens hat in seinem früheren Leben
ein großes Unrecht begangen. Sonst wäre das nicht geschehen.
Und weil auch der
Bruder behindert zur Welt kam war klar, dass das Schicksal der gesamten Familie
unter einem schlechten Stern stand und es war ebenso klar, dass sie anderen
Unglück bringen würde. Diese Menschen musste man meiden. Der Vater hat selbstredend
die Familie verlassen, obwohl noch zwei weitere gesunde Kinder zur Welt
gekommen waren.
Dann geschah
Folgendes: Ärzte gingen durch den Slum und fragten nach blinden Menschen. Man
zeigte auf Kalaimani. Eine neue Augentransplantationsmethode war gefunden
worden, und die wollte man testen. Kalaimani wurde mitgenommen und operiert.
Sie hatte Glück. Dennoch wurde die Mutter mit ihren vier Kindern verstoßen.
Heute lebt Kalaimani zusammen mit zwei weiteren Familien (insgesamt dreizehn
Personen) im Prana-Projekt. Sie hat den Hauptschulabschluss nachgeholt und
hilft jetzt in der Prana-Schule als Hilfslehrerin.
Aber das
Schönste ist: Sie kann das Meer sehen. Mit ausgebreiteten Armen stand sie das
erste Mal vor den Wellen und weinte vor Glück. Und ich gleich mit ihr.
