Körperausscheidungen darf man nicht sammeln
Veröffentlicht von Hilde Link · Sonntag 06 Jul 2025
Hier die Geschichte meines großen Scheiterns:
Immer wieder schreibe ich, dass das Prana-Projekt an einen Slum grenzt. Ein Slum mit begabten Kindern, wie sich mehr und mehr herausstellt. Die Siedlung erstreckt sich vor der Prana-Schule.
Heute will ich von dem Gelände neben der Prana-Schule berichten. Eigentlich sagt das Foto ja schon alles. Die Nachbarschaft zur Linken ist eine Müllhalde mit integrierter "Damen-Freiluft-Toilette". Die Damen des Slums hocken sich in der Gruppe gemütlich hin, erledigen ihr Geschäft und plaudern derweil über Dinge, die ihre Männer nichts angehen. Denken Sie nicht, ich hätte nicht schon viele Kämpfe mit dem zuständigen Dorfrat bezüglich einer Toilettenanlage geführt. Seit zwanzig Jahren. Alle verloren.
Als dann, nach dem Tsunami 2004, eine kanadische Hilfsorganisation ohne Rücksprache mit dem Dorfrat eine Toilettenanlage auf diesem Platz gebaut hat, schöpfte ich neue Hoffnung. Ich dachte schon, jetzt hat die große Stunde der Veränderung geschlagen. In einem Anfall von Größenwahn ließ ich den gesamten Platz säubern und „Wachpersonal“ aufstellen. Das sollte auf die neue Toilettenanlage hinweisen.
Das Ergebnis: Eine Schar wütender Dorfbewohnerinnen am frühen Morgen, die androhten, sie würden jetzt ihre Geschäfte in unserem Schulgarten verrichten und den Abfall bei uns hinschmeißen. Was den Abfall anbetrifft, so gibt es sogar eine gut funktionierende Müllabfuhr. Aber die kommt nur einmal in der Woche – und zwischenzeitlich? Den Abfall doch nicht etwa aufbewahren. Im traditionellen Indien darf man Körperausscheidungen nicht sammeln. Und neben dem Prana-Gelände ist Indien sehr traditionell.
Vielleicht klappt es ja mit der nächsten oder übernächsten Generation. Ich für meinen Teil habe aufgegeben.
